Altersvorsorge durch Krise gefährdet Derzeit warnen Ratingagenturen diejenigen, die eine Versicherung zur Altersvorsorge abgeschlossen haben. Die Rede ist davon, dass bei einer Bonitätsschmelze im schlimmsten Fall Anbieter solcher Vorsorgemaßnahmen nicht auf Staatshilfen hoffen können. Sehr zum Leidwesen der Sparer.
Ratingagenturen schlagen Alarm Schon jetzt schlagen Ratingagenturen in puncto Lebensversicherungen Alarm. Und das, obwohl Standard & Poor’s (S&P), Moody’s & Co. normalerweise erst recht spät Alarm schlagen, um Verbraucher auf Gefahren hinzuweisen. Doch vergangenen Donnerstag sprach S&P eine Warnung aus und wies auf eine drohende Bonitätsschmelze bei deutschen Lebensversicherern hin. Die Anbieter seien sowohl dem anhaltenden Niveau der niedrigen Zinsen als auch der sich verschärfenden Schuldenkrise nicht gewachsen, heißt es von der Ratingagentur. Senkung der Bonitätsnoten? Wie drastisch die Situation wirklich ist, macht die Agentur deutlich, indem sie davor warnt, die Bonitätsnoten zu senken, sollte sich an den fundamentalen Faktoren nichts ändern. S&P steht mit dieser Meinung allerdings nicht alleine dar, sondern ist bereits die zweite Agentur, die innerhalb weniger Tage die Risiken der Lebensversicherungs-Branche der Öffentlichkeit näher bringt. Kürzlich hatte auch der etwas kleinere Konkurrent Fitch Lebensversicherern damit gedroht, seinen Ratingausblick in dieser Branche auf "Negativ" zu stellen. Sparer sind die Leidtragenden Für alle Kunden sind dies weniger gute Nachrichten. Nachdem sie hilflos mit ansehen mussten, wie die Renditen in den vergangenen Jahren mehr und mehr gesunken sind, stehen sie nun in der Pflicht, sich Gedanken darüber zu machen, wie stabil eigentlich die finanzielle Lage ihres Anbieters ist. Und das ist gerade bei einer Lebensversicherung von besonderer Bedeutung, da Sparprozesse mehr als 30 Jahre andauern. Staat springt nicht immer ein Dass der Staat im Ernstfall nicht einspringt, ist daher eine umso schlimmere Nachricht für alle, die mit einer Lebensversicherung Altersvorsorgemaßnahmen treffen möchten. Deshalb steht jeder einzelne Vorsorgesparer in der Pflicht, zu überprüfen, dass die Gesellschaft, welcher er sein Geld anvertraut, ihn überlebt. Analysen führender Experten zeigen, dass die Warnungen der Ratingagenturen durchaus ernst zu nehmen sind. Der größte Anleiheninvestor Pimco als auch Goldman Sachs und die Berenberg Bank befürchten, dass auf Deutschland eine leichte Rezession zukommt. Auch politisches Umfeld wird bei Bewertung berücksichtigt Bei ihrer Bewertung achten die Agenturen aber nicht nur darauf, wie finanzstark die einzelnen Gesellschaften sind, sondern lassen auch das politische Umfeld in ihrer Bewertung mit einfließen. Hierbei wird deutlich, dass in Bezug auf staatliche Hilfen deutliche Grenzen gesetzt sind. Die Politik kann zwar steuern, in welche Anlageformen Versicherer investieren und ob sie bei einer finanziellen Schieflage als Retter einspringt oder aber Versicherer mit dem Dilemma alleine dastehen lässt. Allerdings gilt dies nur für die systemrelevanten Anbieter. Dabei gibt es aber ein Problem: Versicherungsagenturen, die als "zu groß, um zu scheitern" gelten, können nicht auf finanzielle Hilfe vom Steuerzahler hoffen. Geholfen wird nur systemrelevanten Lebensversicherern Hier spielt der Begriff Systemrelevanz eine entscheidende Rolle. Dieses Attribut bekommen aber nur Lebensversicherer, wenn deren Pleite andere Gesellschaften mit in den Abgrund ziehen würde. Andere Unternehmen, die Versprechen ihren Kunden gegenüber nicht mehr einlösen können, sind von dieser Regelung gänzlich ausgeschlossen. Wer das Pech hat, sich auf ein solches Unternehmen einzulassen, muss damit rechnen, dann einen Teil der so wichtigen Altersvorsorge zu verlieren. Dass diese Menschen dann ebenfalls zum Problem der politischen Klasse werden, scheint Experten noch nicht bewusst zu sein. Sie schieben das Problem vor sich her, schließlich wird dies erst in einigen Jahren zutreffen. Strengere Kapitalvorschriften geplant Um Verbraucher dennoch zu schützen, sind strengere Kapitalvorschriften nach Solvency II geplant. Laut diesen Vorschriften müssen Versicherer bei den für sie als riskant geltenden Anlagen einen zusätzlichen Kapitalpuffer einbauen. Das Ganze sieht so aus, dass zum Beispiel Risiken, die mit dem Handel von Wertpapieren einhergehen, mit mehr Kapital abgesichert werden müssen als dies bisher der Fall war. Alternative Altersvorsorgemaßnahmen gibt es kaum Was alternative Maßnahmen zu Altersvorsorge anbelangt, so sind diese eher rar gesät. Durch die niedrigen Renditen bei sicheren Staatsanleihen wird es immer schwieriger, die Versprechen, die Kunden in Bezug auf Zinsen gegeben wurden, auch einzuhalten. Zugute kommt diesen Unternehmen zwar, dass der Garantiezins zum Jahreswechsel von derzeit 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent für Neuverträge gesenkt wird. Doch da in der Vergangenheit bei Lebensversicherungen Versprechen von Zinsen in Höhe von bis zu 4 % gegeben wurden, müssen die Unternehmen im Durchschnitt 3,1 erwirtschaften, um ihre Versprechen auch halten zu können. Nur staatlicher Garantiezins ist sicher Diejenigen, die eine Lebenspolice haben, müssen sich darauf einstellen, dass sie in naher Zukunft gerade noch den vom Staat zugesicherten Garantiezins erhalten. Sollte der schlimmste Fall eintreten, könnten von der Versicherungsaufsicht BaFin schwächerer Anbieter sogar komplett vom garantierten Zinssatz befreit werden.
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