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Altersvorsorge: Aktuelle Probleme der Lebensversicherer
Mittwoch, 2. November 2011

Altersvorsorge: Aktuelle Probleme der Lebensversicherer


Laut einer aktuellen Umfrage der "Welt am Sonntag" gibt es im Portfolio der Versicherungen erhebliche Schwächen sowie jede Menge Intransparenz. Das trifft vor allem auf die Lebensversicherung zu, die von vielen als Altersvorsorgemaßnahme abgeschlossen wird.





Immer mehr Kunden verunsichert


Bei denjenigen, die sich für eine Lebensversicherung als Altersvorsorge entschieden haben, wächst das Unbehagen. So berichtet die Swiss Life, dass bereits erste Kunden angerufen und sich nach der Anlagepolitik erkundet hätten. Die meisten, die anrufen und verunsichert sind, wollen den Anteil der Anleihen aus den Euro-Problemländern wissen. Allerdings ist dies nicht das einzige, was in diesem Zusammenhang Kopfzerbrechen bereitet.


Lebensversicherer investieren in Krisenländer


Wer eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, hofft auf eine hohe Rendite, so dass er seinen Lebensabend bestreiten kann. Doch dieser Renditesegen beruht größtenteils auf Staatsanleihen und Bankschuldtiteln. Immerhin wird das Geld, das in die Lebensversicherung investiert wird, am Markt angelegt. Und gerade in Anbetracht der aktuellen Schuldenkrise dürfte jedem klar sein, dass dort längst nicht mehr alles sicher ist, was lange Zeit als sicher galt.


Umfrage: Nicht jedes Unternehmen zum Gespräch bereit


Die "Welt am Sonntag" hat eine Umfrage unter den 45 führenden Lebensversicherern in Deutschland durchgeführt. Diese zeigt auf, welche Risiken für Verbraucher in diesem Bereich der Altersvorsorge lagern. Erschreckend ist, dass bei vielen Anbietern Intransparenz für weitere Verunsicherung sorgt. Bei der Umfrage gab es übrigens auch Unternehmer, die keine Aussage geliefert haben. Rund ein Viertel wollte sich zum aktuellen Tatbestand nicht äußern. Andere, wie zum Beispiel die R+V, haben den Geschäftsbericht von 2010 mit einer sehr groben Portfolio-Übersicht verschickt. Von anderen, wie beispielsweise LVM, hieß es "Wir geben grundsätzlich keine Auskünfte über unsere Performance oder Anlagestrategie".


Keine Auskunft über detaillierte Anlagestrategie


Auch der Deutsche Ring wollte die Anfrage "im gewünschten Detaillierungsgrad" nicht beantworten. Gar keine Antwort erhielt man hingegen von Conti Leben, DEVK, HUK Coburg Leben, Iduna und Provinzial Rheinland. Diejenigen, die aktiv an der Umfrage teilnahmen, wie Swiss Life, Gothaer, Talanx oder Stuttgarter, gaben zwar einen Überblick darüber, wie die Kundengelder auf die Anlageklassen verteilt werden. Allerdings gaben sie nicht preis, in welche Arten von Rentenpapieren das Kundengeld fließt. Bei Verbrauchern schürt dies nur noch mehr die Verunsicherung. Schließlich sind diese es seit vielen Jahren gewohnt, bei Lebensmitteln die Zutaten auf der Verpackung zu finden und sind der Meinung, dass auch Investmentfonds relativ detailliert über ihre Anlagestrategie Auskunft geben sollten.


Hoher Anteil an Staats- und Bankanleihen alarmiert


Die Lebensversicherer scheinen aber nicht dieser Meinung zu sein. Einige wohl aus gutem Grund. Denn besonders alarmierend ist der hohe Anteil von Staats- und Bankanleihen im Portfolio der Versicherungen. So haben einzelne Firmen bis zu 40 % der Kundengelder in Schuldverschreibungen von Kreditinstituten, also Bankanleihen, gesteckt. Würde es zu einem Bankensturm kommen, wäre das von Kunden mühsam angesparte Geld gefährdet. Nur dann, wenn die Regierung in einem solchen Fall einspringen würde, wäre die private Rente der Verbraucher noch gesichert. Lebensversicherer, die besonders stark auf Bankanleihen setzen, sind Debeka, LVM, Hannover Leben, Volkswohl-Bund und VGH. Für viele Verbraucher ist auch erschreckend, zu hören, dass viele Lebensversicherer in Euro-Problemländer, wie Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien, investieren. Zu ihnen gehören Generali, Ergo und Nürnberger.


Nur noch geringe Renditen


Wer mit dem Gedanken spielt, sich für eine Lebensversicherung zu entscheiden, dürfte aber nicht nur anhand der Qualität des Anleihe-Portfolios zweifeln. Auch die dramatische Übergewichtung von Festverzinslichen insgesamt könnte den Verbrauchern zum Verhängnis werden: Immerhin gehen die Zinsen bereits seit 30 Jahren zurück, Bundesanleihen und Pfandbriefe werfen nur noch sehr geringe Renditen ab.


Intransparenz könnte gefährlich werden


Aufgrund der gegenwärtigen Inflationssituation versuchen Notenbanken weltweit, mit immer mehr billigem Geld den Volkswirtschaften unter die Arme zu greifen. Für Policenhalter birgt dies viele Gefahren. Sollten die Zinsen irgendwann wieder scharf ansteigen, können viele Versicherer mit ihrem trägen Portfolio nicht schnell genug reagieren. Immerhin steckt viel Geld in Festverzinslichen mit langen Laufzeiten. Wenn der Markt einen anderen Weg anschlägt, werden niedrig verzinste Altanleihen schnell zur Belastung. Ebenso kann es passieren, dass die Zinsen dann, wenn die Inflationstherapie keine Wirkung zeigt, über lange Sicht so niedrig bleiben. Auch das würde fatale Folgen für die Lebensversicherer haben. Schließlich sind diese ihren Kunden gegenüber bestimmte Renditeverpflichtungen eingegangen.


Garantiezinssatz bei Altverträgen ist großes Problem


Obwohl der Garantiezins seit Jahren sinkt (aktuell: 2,25 %, ab Januar 2012: 1,75 %), wird denjenigen, die einen alten Vertrag haben, noch ein Garantiezins von bis zu 4 % versprochen. Das setzt voraus, dass die Unternehmen für ihre Kunden 3,2 % erwirtschaften. Und dies ist gerade in Anbetracht der Umlaufrendite besonders schwierig. Die Rendite, die mit sämtlichen umlaufenden Schuldtiteln der Bundesrepublik zu erzielen ist, liegt derzeit bei 1,85 %.


Lebensversicherer müssen höhere Risiken eingehen


Für die Versicherer bedeutet dies, höhere Risiken eingehen zu müssen. Erstaunlich ist aber, dass Aktien dabei fast keine Rolle mehr spielen. Ebenso wenig eignen sich Unternehmensanleihen, weil viele Bond-Emissionen einfach zu klein sind, um die Milliarden der Kapitalsammelstellen zu verkraften. Auch Pfandbriefe sind ein Problem: Wegen ihrer Besicherung mit Grund und Boden gelten sie zwar als solide, haben aber keine ausreichenden Renditeaufschläge zu deutschen Staatsanleihen mehr, um die Renditelücke schließen zu können. Für viele Anbieter bleiben Bankanleihen als letzter Ausweg. Doch gerade diese sind längst nicht mehr so unverletzlich, wie man früher angenommen hat. Davon konnten sich japanische Versicherer bereits überzeugen, als viele der dortigen Branchengrößen in die Insolvenz abrutschten.






Gesellschaft Protektor kann nur lokale Schieflagen korrigieren


Nicht gerade beruhigend ist, dass bei uns die Gesellschaft Protektor als Sicherungsfonds agiert. Einspringen kann diese Gesellschaft nämlich nur dann, wenn bei einem Anbieter eine Deckungslücke auftritt. Somit besteht die einzige Möglichkeit darin, lokale Schieflagen zu korrigieren. Eine komplette Systemkrise zu überwinden, ist gänzlich unmöglich.


Vor Abschluss einer Lebensversicherung finanzielle Stabilität des Anbieters überprüfen


Experten raten Versicherungskunden deswegen, sich vor Abschluss einer Lebensversicherung mit der finanziellen Stabilität des Anbieters auseinanderzusetzen. Dabei sollte auch ein Blick in das Anlageportfolio der Firma geworfen werden. Dies ist unbedingt notwendig, um vorher einschätzen zu können, wie gesichert der Lebensstandard im Alter ist.





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