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Niedrige Zinsen machen Lebensversicherung als Altersvorsorge kaum lohnenswert
Dienstag, 7. Februar 2012

Niedrige Zinsen machen Lebensversicherung als Altersvorsorge kaum lohnenswert


Die Debatte rund um Lebensversicherungen und deren Rendite wird dort fortgeführt, wo sie Dezember letzten Jahres endete. Im Hinblick auf die Zinsen ist das Produkt Lebensversicherung nämlich längst keine lohnende Altersvorsorge mehr, was vor allem daran liegt, dass viele Angebote nicht einmal mehr die Inflation ausgleichen können.



Lebens- und Rentenversicherung sind laut BdV keine empfehlenswerten Altersvorsorgemaßnahmen


Thorsten Rudnik, Vorstand beim Bund der Versicherten (BdV) sieht diese Entwicklung äußerst realistisch und weiß, dass man niemandem mehr empfehlen kann, eine Lebens- oder Rentenversicherung abzuschließen, da die Rendite in vielen Fällen nicht einmal mehr die Inflationsrate ausgleicht. Kein Wunder, ist die laufende Verzinsung für Lebens- und Rentenversicherungen 2012 im Durchschnitt doch erstmals unter die Marke von 4 % gefallen. Der historisch niedrigste Stand, den eine neue Studie der Rating-Agentur Assekurata aufdeckt, lässt immer mehr Kunden auf Anleihen ausweichen.

Verzinsung bei allen Tarifgeneration und Produktarten gesunken


Laut Assekurata-Studie gibt es bei allen Tarifgenerationen und Produktarten im Schnitt nur noch eine Verzinsung von 3,94 %. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 4,09 %. Ebenfalls rückläufig ist die Gesamtverzinsung inklusive aller Überschussanteile. Diese ist bei der Kapitallebensversicherung von 4,93 % auf 4,73 % gesunken. Bei der privaten Rentenversicherung ist ebenfalls ein rückläufiger Trend zu verzeichnen. Hier lag die Gesamtverzinsung 2011 bei 4,78 %, jetzt kann man nur noch mit einer Rendite von 4,66 % rechnen. Vergleicht man diese Werte mit denen von vor zehn Jahren, wird deutlich, dass sich diese Produkte in eine nicht mehr lohnenswerte Richtung entwickelt haben. Noch vor zehn Jahren konnten Kunden mit einer durchschnittlichen Gesamtverzinsung von 7 % rechnen.

Abwärtstrend bei laufender Überschussbeteiligung beschleunigt sich


So, wie es aussieht, beschleunigt sich der Abwärtstrend bei der laufenden Überschussbeteiligung, wie auch Reiner Will, Geschäftsführer bei Assekurata, zu bedenken gibt.
Er sieht vor allem die Situation auf dem Kapitalmarkt mit Niedrigzinsen und die schlechtere Bonität von Rentenpapieren in der Verantwortung. Und schon jetzt lässt sich vorhersagen, dass sich die Situation in Zukunft weiterhin verschlechtern wird. Assekurata ist sich sicher, dass die Überschussbeteiligungen 2013 durch den schwierigen Kapitalmarkt weiter sinken werden. Dieser Meinung ist auch BdV-Experte Rudnik, der zu bedenken gibt, dass die Aussichten für die Versicherungsgesellschaften schlecht sind und es für diese immer schwieriger werde, attraktive Renditen zu erwirtschaften.

Niedrige Zinserträge decken Kosten der Versicherten nicht mehr


Das merken vor allem die Kunden, denen nicht entgangen ist, dass der Garantiezins bei Lebensversicherungen für Neukunden zum Jahresbeginn von 2,25 % auf 1,75 % abgesenkt wurde. Die garantierte Kapitalzahlung zu Rentenbeginn wird bei vielen Lebens- und Rentenversicherungen geringer ausfallen als die Summe der eingezahlten Beiträge, befürchtet der BdV. Demnach würden die niedrigen Zinserträge nicht einmal mehr die Kosten der Versicherten decken. Und das macht die Angebote insbesondere für Ältere unattraktiv. So verwundert es nicht, dass rund 50 % der Lebensversicherungen vor Ablauf gekündigt werden.





Unüberlegtes Handeln bedeutet hohe Einbußen


Unüberlegt handeln sollte man bei einer bestehenden Lebensversicherung aber nicht, da man sonst mit hohen Einbußen rechnen muss. Besser ist es, den Vertrag vorübergehend beitragsfrei zu stellen oder aber ein Policendarlehen zu nutzen, welches bis zur Höhe des maximalen Rückkaufswerts gewährt wird. Wer seine Lebensversicherung kündigen möchte, ohne hierfür hohe Einbußen in Kauf nehmen zu müssen, kann sein Produkt auch am Zweitmarkt verkaufen. Dort bekommt er meistens 2-4 % mehr als bei den Versicherern. Hier empfiehlt es sich aber, Angebote immer genau zu überprüfen, denn am Markt lauern viele unseriöse Aufkäufer.

Vertragskündigung nicht immer empfehlenswert


Die Lebensversicherung zu kündigen sollte laut Experten nur dann eine Option sein, wenn man diese nach 2005 abgeschlossen hat.
Kunden, die sich vor 2005 für diese Maßnahme zur Altersvorsorge entschieden haben, erhalten ihre Erträge steuerfrei, sofern der Vertrag mindestens zwölf Jahre gelaufen ist und der Einzahler zum Auszahlungszeitpunkt ein Alter von 60 Jahren erreicht hat.

Tagesgeld und Festgeld lukrativer als Lebensversicherung und Rentenversicherung


Als Alternative zu Lebens- und Rentenversicherungen empfiehlt der BdV, in attraktive Tages- und Festgeldangebote zu investieren. Eine gute Alternative sind auch Unternehmensanleihen. Hier sind nicht nur die Renditechancen höher, Kunden sind auch weitaus flexibler, wie Rudnik zu bedenken gibt. Die Zinsen für Tagesgeld liegen laut einem aktuellen Vergleich des Finanzportals FHM bei 2,85 %, bei Sparbriefen mit fünfjähriger Anlagedauer sind es sogar bis zu 4,45 %.



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