Lebensversicherung & Riester-Rente: Vertriebspropaganda für wechselwillige Kunden gerät in Kritik Der Jahreswechsel ist für viele Verbraucher eine willkommene Gelegenheit, ihren Anbieter bei Versicherungen zu wechseln. Insbesondere die in den letzten Wochen in Kritik geratene Lebensversicherung und die Riester-Rente sind davon betroffen. Verbraucherschützer warnen jetzt vor voreiligen Entscheidungen. Denn die Vertriebspropaganda von Versicherungsunternehmen ist gerade zum Ende des Jahres hin besonders reißerisch gestaltet.
Absenkung des Garantiezins und Änderung bei Bezug von Riester-Rente ab 2012 Ab 2012 sinkt bei der Lebensversicherung der Garantiezins. Während dieser derzeit noch bei 2,25 Prozent liegt, wird er schon in wenigen Tagen auf 1,75 Prozent gesenkt. Eine Änderung gibt es auch im Bereich Altersvorsorge. Wer vor Silvester noch einen entsprechenden Vertrag zur staatlich geförderten Altersvorsorge unterschreibt, kann die Riester-Rente weiterhin mit 60 Jahren anstatt künftig mit 62 Jahren in Anspruch nehmen. Versicherungsagenturen wollen Kunden abwerben Obwohl beide Änderungen aus Sicht von Experten nur eine geringfügige Rolle in der Beratung spielen, scheint für Versicherungsagenturen jetzt der Zeitpunkt gekommen, Kunden abzuwerben. Dabei ist der Garantiezins bei Lebensversicherungspolicen nur ein geringer Teil dessen, was Kunden jährlich gutgeschrieben wird. Ein seriöser Versicherungsmanager beachtet diesen wichtigen Punkt bei einer Beratung und weist potentielle Kunden darauf hin, immer die Gesamtverzinsung in Betracht zu ziehen. Auch der Branchenverband GDV ist dieser Meinung. "Die Absenkung des Höchstrechnungszinses sollte nicht zu übereilten Entscheidungen führen", teilte eine Sprecherin mit. Streitpunkt Riester-Rente Während sich die meisten in diesem Punkt einig sind, sieht dies bei der Riester-Rente anders aus. Denn die Erhöhung der Altersgrenze für die Riester-Rente wird höchst unterschiedlich beurteilt. Eine GDV-Sprecherin gibt zu bedenken, dass es in bestimmten Fällen durchaus vorteilhaft sein kann, die Entscheidung für dieses Altersvorsorgeprodukt noch in diesem Jahr zu treffen. Das gelte insbesondere für diejenigen, die sich im Rahmen einer Vorsorge-Analyse bereits relativ sicher seien, ihre private Altersvorsorge über eine Rentenversicherung ausbauen zu wollen. Kritiker geben hingegen zu bedenken, dass die veränderte Altersgrenze für viele Menschen gar keine Rolle spiele, da das reguläre Alter für den Rentenbeginn zwischen 65 und 67 Jahren liegt.
Verbraucherzentrale warnt vor zu eiligen Entscheidungen bei Riester-Rente Auch die Verbraucherzentrale in Stuttgart sieht vorschnelle Entscheidungen in Bezug auf die Riester-Rente eher skeptisch. "Die Argumente für einen schnellen Abschluss noch in diesem Jahr sind im Wesentlichen plumpe Vertriebspropaganda, die den raschen Verkauf provisionsträchtiger Produkte anheizen soll", ist Niels Nauhauser überzeugt. Dabei bezieht er sich vor allem auf die Tochter des Finanzvertriebs AWD, die Tecis Finanzdienstleistungen, die mit folgendem Slogan wirbt: "Die größte Enteignung in der Geschichte der Altersvorsorge oder wie man in einer Nacht 103.000 Euro verliert" Dabei bezieht sich der Finanzdienstleister auf eine "an den Haaren herbeigezogene" Beispielrechnung zu einer fondsgebundenen Riester-Rentenversicherung. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg prüft in diesem Zusammenhang aktuell die "Abmahnung einzelner Anbieter". Tecis distanziert sich von irreführenden Verbraucheransprachen Deutlich von solchen irreführenden Verbraucheransprachen distanzieren möchte sich die betroffene Tecis. Ein Sprecher sagte, dass man sich als seriös agierender Finanzdienstleister mit Nachdruck von solchen Herleitungen und irreführenden Verbraucheransprachen distanziere. Was das Thema Garantiezins im Vertrieb an Belange, so sei dieses sowohl sachlich als auch objektiv behandelt worden. Eine Veränderung in einer spürbaren Anzahl an Versicherungsprodukten würde laut eines Sprechers tatsächlich eine Wirkung zeigen. Gleichzeitig versicherte der Sprecher, dass man Ausdrücke wie "Schlussverkauf", "die größte Enteignung in der Geschichte der Altersvorsorge" und "Wie man in einer Nacht 103.000 Euro verliert" nie verwendet habe. Vertriebserfolg bei Riester-Rente an oberster Stelle Weiterhin skeptisch bleibt Verbraucherschützer Nauhauser, der sich durch die vereinzelte Werbung von Tecis bestätigt fühlt, was seine allgemeine Kritik anbelangt. Er ist der Überzeugung: "Für die Vermittler von Riester-Renten scheint weiterhin der Bedarf der Verbraucher eine geringere Rolle zu spielen als der eigene Vertriebserfolg." Ein wichtiger Tipp an Verbraucher: Keine voreiligen Schlüsse ziehen, mehrere Angebote einholen und sich vor allem selbst informieren, zum Beispiel über das Internet.
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