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Lebensversicherung: Überschussbeteiligung sinkt unter 4 %
Mittwoch, 14. Dezember 2011

Lebensversicherung: Zinsen sinken unter 4 %


Schon seit längerem ist die Lebensversicherung als Maßnahme der Altersvorsorge nicht mehr sicher. Nachdem die Allianz ihre Lebensversicherungen ab sofort nur noch mit 4 % verzinst, unterbieten zahlreiche Lebensversicherer diesen Prozentsatz. Kein Wunder, setzen die niedrigen Zinsen an den Finanzmärkten doch auch die Versicherer unter Druck.





Niedrigere Zinsen auf Lebensversicherung


In den kommenden Jahren müssen sich diejenigen, die eine Lebensversicherung haben, auf niedrigere Zinsen einstellen. So kündigte der Marktführer Allianz erst vor wenigen Tagen an, die laufende Überschussbeteiligung für 2012 um 0,1 Prozentpunkte zu senken. Somit liegt der Zinssatz nur noch bei 4 %.


Überschussbeteiligung sinkt bei vielen Versicherern unter 4 %


Im Vergleich mit anderen Anbietern ist dies noch eine relativ moderate Verzinsung. Denn im nächsten Jahr wird es den meisten Anbietern nicht möglich sein, das Sparguthaben mit 4 % oder mehr zu verzinsen. Manager und Analysten befürchten, dass die durchschnittliche Verzinsung rapide abnehmen wird. Für dieses Jahr liegt die durchschnittliche Verzinsung bei Lebensversicherungen noch bei 4,1 %. Verglichen mit dem, was zur Jahrtausendwende angeboten wurde, ist dieser Wert aber ebenfalls gering. Zur damaligen Zeit hatten viele Anbieter mit mehr als 7 % geworben. Ein Sprecher der Allianz ist davon überzeugt, dass die Zinsen so schnell nicht wieder steigen können: "Wir erwarten, dass die historisch hohen Zinsen der Vergangenheit so schnell nicht wiederkommen werden"


Zinsrückgang an Finanzmärkten lässt auch Versicherer nicht unberührt


Der Grund für die niedrigen Zinsen ist der Zinsrückgang an den Finanzmärkten. Hintergrund: Um Gewinne zu erwirtschaften, die anschließend an die Inhaber der Lebensversicherung weitergegeben werden, legen Versicherer die Prämien ihrer Kunden an den Kapitalmärkten an. Dabei werden vor allem Anleihen, aber auch Aktien und Immobilien bevorzugt. Laut Gesetz sind die Versicherer dazu verpflichtet, ihre Kunden mit 90 % an den erwirtschafteten Kapitalüberschüssen zu beteiligen. Angesichts der derzeit niedrigen Zinsen an den Finanzmärkten sind die Einnahmen der Versicherer aber gesunken, weswegen weniger Überschüsse gutgeschrieben werden können.


Alte Leipziger senkt Überschussbeteiligung und 3,85 %


Ein Beispiel: Die Alte Leipziger hat angekündigt, die laufende Überschussbeteiligung für das Jahr 2012 auf 3,85 Prozent zu senken. Derzeit liegt die Gesamtverzinsung für auslaufende Verträge noch bei 4,55 Prozent, was immerhin 0,25 Prozent weniger sind als bisher. Neben dem Garantiezins gibt es für Kunden noch einen so genannten Überschussanteil, der als Bonus am Ende der Vertragslaufzeit an diese ausgeschüttet wird.






Auch Axa senkt Überschussbeteiligung


Auch der Lebensversicherer Axa schließt sich dem Handeln seiner Mitbewerber an und senkt die laufende Verzinsung von 4 auf 3,8 %. Außerdem ist damit zu rechnen, dass auch andere Gesellschaften die Garantieverzinsung in den nächsten Tagen absenken werden. Noch immer gilt als magische Grenze ein Garantiezins von 4 %. Mit diesem warben die Versicherer noch Ende der 1990er Jahre.


Garantiezins bei alten Verträgen bleibt unberührt


Der Garantiezins, der bei Abschluss der Lebensversicherung versprochen wurde, gilt für Altverträge weiterhin. Kritisch wird es für diejenigen, die einen Vertrag erst kürzlich abgeschlossen haben. Für sie gilt der neue, niedrigere Zinssatz. Aber auch das sorgt für Unmut. So ist ein Versicherungsmanager davon überzeugt: "Die Ungleichbehandlung kratzt am Image" Seiner Meinung nach könne der Eindruck entstehen, dass die älteren Kunden eine Verzinsung erhalten, die sich die Unternehmen in der heutigen Zeit längst nicht mehr leisten können. Dafür aufkommen müssen die jüngeren Kunden, die den "Luxus" der älteren Kunden quasi mitfinanzieren.


S&P erachtet Zinssenkung für sinnvoll


Während sich viele Versicherer davor scheuen, unter die Vier-Prozent-Marke zu gehen, sind die Experten der Ratingagentur Standard & Poor's davon überzeugt: "Es ist sinnvoll, wenn sich die Versicherer jetzt für den Fall wappnen, dass das niedrige Zinsniveau an den Kapitalmärkten bestehen bleibt." Wolfgang Rief, Analyst bei S&P, ist der Meinung, dass die Versicherer auf ihre Kapitalkraft achten müssen. Insbesondere bei einigen kapitalstärkeren Gesellschaften wird die Gewinnbeteiligung an das aktuelle Kapitalmarktumfeld angepasst, um die Finanzstärke bewahren zu können.


Versicherungsbranche sieht Attraktivität von Lebensversicherung nicht in Gefahr


Auch die Versicherungsbranche selbst meldet sich zu den aktuellen Vorkommnissen und ist davon überzeugt, dass die Attraktivität des Produkt Lebensversicherung selbst bei geringeren Zinsen nicht abnehmen wird. Eine Sprecherin des Branchenverbands GDV gibt zu bedenken: "Wo erhalten Sie ein Vorsorgeprodukt, dass bei gleicher Sicherheit eine Verzinsung von rund vier Prozent bietet?"


Verbraucherschützer weisen auf Gefahren hin


Dieser Meinung ist aber nicht jeder. Vor allem Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass nur das Sparguthaben nach Abzug von Kosten verzinst wird, weshalb die Rendite auf die Beiträge praktisch gesehen unter 4 % liegt. Ein weiteres Problem sei, dass es viele Kunden einfach nicht schaffen, den Vertrag über Jahrzehnte aufrecht zu erhalten. Eine vorzeitige Kündigung kann dann schnell zum Verlustgeschäft werden. Verbraucherschützer raten, in keinem Fall die Police zu kündigen, um zu einem Versicherer zu wechseln, der eine höhere Überschussbeteiligung bietet.


Hat die Lebensversicherung eine Zukunft?


Wie sieht die Zukunft der Lebensversicherung aus? Der Bund der Versicherten ist sich sicher, dass die Überschussbeteiligung nicht unter den aktuellen Garantiezins von 2,25 Prozent sinken wird. Vorsitzender Axel Kleinlein dazu: "Wenn es so weit käme, dann stünde der Versicherer kurz vor dem Abgrund."





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