Garantiezins sinkt - Lebensversicherungen werden immer unattraktiver
Aufgrund des aktuellen niedrigen Leitzinses gerät der Garantiezins von Lebensversicherungen in die Bredouille. Für Sparer könnte dies bedeuten, dass sie sich bald einem neuen Rekordtief beim Garantiezins von Lebensversicherungen gegenübersehen. So berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf die Ratingagentur Assekurata, dass Versicherungsunternehmen mit aller Wahrscheinlichkeit nach viel früher auf den Einbruch der Renditen am Kapitalmarkt reagieren müssen, als ihnen lieb ist.
Schon für das nächste Jahr könnte der Garantiezins gesenkt werden müssen. Sofern dieser bei den Lebensversicherungen unter zwei Prozent fällt, bedeutet dies ein neues Rekordtief für alle Sparer aus Deutschland. Betroffen von dem Einbruch des Garantiezinses sind allerdings nur neue Verträge. Wer bereits eine Lebensversicherung hat, kann noch von den höheren Garantiezinsen profitieren.
Renditen sinken immer weiter
Reiner Will, Geschäftsführer der Ratingagentur Assekurata, berichtete bei einem Gespräch mit dem "Handelsblatt", dass der Druck durch den starken Zinsrückgang deutlich gestiegen sei. Damit geraten auch die Garantiezinsen von Lebensversicherungen mehr und mehr in die Bredouille. Schon längst nicht mehr dürfen sich Versicherte über eine garantierte Verzinsung von vier Prozent freuen, wie es Mitte der 90er Jahre der Fall war. Seit diesem Zeitpunkt sind die Renditen immer weiter gefallen. Experten gehen mittlerweile davon aus, dass der Garantiezins für Lebensversicherungen schon bald unter zwei Prozent fallen wird. Wenn das geschieht, wird die beliebteste Altersvorsorge der Deutschen mehr und mehr zu einer unattraktiven Altersvorsorge.
Versicherungsunternehmen: Garantiezins-Senkung ab 2012
V ersicherungen hingegen schätzen die Lage etwas optimistischer ein. So sagte Johannes Lörper, Ergo-Vorstandsmitglied, dass erst im Jahr 2012 mit einer Senkung des Garantiezinses bei Lebensversicherungen zu rechnen sei. Dabei haben Versicherungsagenturen selbst auf die Bestimmung des Leitzinses gar keinen Einfluss. Die Höhe dieser für Versicherungen so wichtigen Kenngröße wird nämlich vom Finanzministerium festgelegt.
Wie der Garantiezins berechnet wird, lässt sich im Versicherungsaufsichtsgesetz finden. Paragraph 65 besagt, dass der Garantiezins dann gesenkt werden muss, wenn die Versicherungsunternehmen mit zehnjährigen Bundesanleihen nicht mehr die Möglichkeit haben, den garantierten Zins zu erzielen. Eine wichtige Kennzahl für die durchschnittliche Rendite von festverzinslichen Bundeswertpapieren ist die Umlaufrendite. Diese befindet sich zurzeit auf einem historisch niedrigen Niveau und liegt bei unter zwei Prozent. Sollte die Umlaufrendite sehr stark sinken, würde dies bedeuten, dass sowohl das Bundesfinanzministerium als auch die Finanzaufsicht den Garantiezins für Neuverträge senken.
Lebensversicherung als Altersvorsorge immer unattraktiver
Schon jetzt verliert die Kapitallebensversicherung für zahlreiche Sparer dadurch einiges an Attraktivität. Versicherungsunternehmen locken derzeit bei neuen Verträgen mit einem jährlichen Garantiezins von 2,25 Prozent. Wenn die Überschussbeteiligung hinzugezogen wird, erhalten Sparer im Schnitt 4,2 Prozent bei ihrer Lebensversicherung. Allerdings haben es Versicherungsunternehmen immer schwerer, Kunden mit einer attraktiven Verzinsung von sich zu überzeugen.
Dies bedeutet keine guten Aussichten für zahlreiche Versicherte in Deutschland. Denn einstmals war die Kapitallebensversicherung das beliebteste Altersvorsorgeprodukt in ganz Deutschland. Dies dürfte bald nicht mehr so sein, denn bereits dann, wenn es ein Prozent weniger Rendite gibt, bedeutet dies bei einer Ansparzeit von vielen Jahrzehnten eine ordentliche Senkung des Zinsgewinn. Hinzu kommt, dass die hohen Verwaltungskosten und Provisionen die Rendite, die es durch einen niedrigen Garantiezins noch gibt, auffressen.
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