Altersvorsorge in Gefahr: Bevölkerung wird immer älter Laut einer aktuellen Studie wird es in Deutschland zu einem starken Anstieg der Pflegebedürftigkeit kommen. Zahlreiche Krankenkassen befürchten schon jetzt - nicht unbegründet -, dass die Vorsorge zum Luxusprodukt werden wird.
Pflegereport 2011: Zahl der Pflegebedürftigen stark angestiegen Zumindest dann, wenn es nach dem "Pflegereport 2011" geht. Dieser wurde von Deutschlands größter gesetzlicher Krankenkasse, der Barmer GEK, in Kooperation mit dem Bremer Zentrum für Sozialpolitik erstellt. Dabei fand man heraus, dass die Zahl der Pflegebedürftigen von 1999 bis 2009 um satte 16 % gestiegen ist und nun bei 2,4 Millionen liegt. Besonders auffällig ist, dass alleine seit dem Jahr 2007 die Zahl der Betroffenen um 4,1 % zugenommen hat. Der Grund dafür? Eine alternde Bevölkerung in Deutschland! Enormer Handlungsdruck bei der Pflegefinanzierung Obwohl der Anteil der Pflegebedürftigen in einer Altersklasse leicht rückläufig ist, nützt dies immer mehr älteren Menschen kaum. Vor dem Hintergrund der aktuellen Studie warnt Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Barmer-GEK-Vorsitzender, vor einem "enormen Handlungsdruck" bei der Pflegefinanzierung. Schlenker plädiert demnach für die rasche Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs. Neue Reform ab 2012 2012 soll die neue Reform, die Mitte November vom Bundeskabinett entworfen wurde, in Kraft treten. Allerdings setzt die neue Pflegereform dann nicht direkt an. So ist erst ab dem 1. Januar 2013 mit Beitragserhöhungen zu rechnen. Diese sollen nicht mehr länger bei 1,95 (Kinderlose 2,2) liegen, sondern auf 2,05 bzw. 2,3 Prozent steigen. Eine Definition der Pflegebedürftigkeit soll es laut Gesundheitsminister Daniel Bahr aber erst bis zum Jahr 2013 geben. Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff erst 2013 Vielen geht dies nicht schnell genug. Kein Wunder, geht es dabei doch um die finanziell wichtige Einstufung von Demenzkranken als Pflegefälle. Seine Entscheidung, die Frage nach der Definition von Pflegebedürftigkeit zunächst schuldig zu bleiben, verteidigte Bahr damit, dass man den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff nicht von heute auf morgen einführen könne. "Gerade deshalb wollen wir den Beirat damit beauftragen, die offenen Fragen zu klären", so der Gesundheitsminister. Immer mehr Demenzerkrankungen in Deutschland Da es in Deutschland immer mehr Demenzerkrankungen gibt und das die Pflegeversicherung vor besondere Herausforderungen stellt, ist es nicht verwunderlich, dass viele enttäuscht davon sind, dass sich die Politik erst relativ spät mit diesem Problem befassen will. In Bezug auf die Studie fand man heraus, dass die Betreuungsleistungen für Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz zu 58 % von Altersverwirrten in Anspruch genommen werden, zu 42 % von geistig Behinderten und psychisch Kranken. Alleine von 2002 bis Ende 2010 konnte bei den Ausgaben ein Anstieg von 2,4 Millionen auf 65,5 Millionen Euro verbucht werden.
Freiwillige private Vorsorge für den Pflegefall soll Abhilfe schaffen Schlenker ist ein wenig ungehalten darüber, dass die Ausarbeitung einer entsprechenden Reform weiterhin auf sich warten lässt. Seiner Meinung nach könne man sich eine Reform im Schneckentempo nicht leisten. Die Regierung möchte eine Verbesserung der Pflegeabsicherung durch eine freiwillige private Vorsorge für den Pflegefall erreichen. Diese soll nach dem Vorbild der Riester-Rente gestaltet sein. Das sieht der Barmer-GEK Spezialist skeptisch. Schlenker sieht die Gefahr, dass ein "Riester für Reiche"geschaffen wird. Kritik: Freiwillige Versicherung wird nicht von jedem angenommen Ebenso nicht ganz vorbehaltlos ist Martin Gasche, Forschungsbereichsleiter Alterssicherung und Sozialpolitik am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik. Er ist sich sicher, dass die Gefahr einer falschen Verteilung der Förderung besteht. Zwar sei grundsätzlich eine Stärkung der Kapitaldeckung in der Pflege zu begrüßen, "allerdings wird die Freiwilligkeit dazu führen, dass wahrscheinlich gerade die Gruppen sich nicht absichern, die die Absicherung nötig haben". Pflegeprobleme trifft vor allem Steuerzahler Der Staat steht nach wie vor in der Pflicht, im Alter benötigte Leistungen zu gewähren. Letztendlich sind es also wieder die Steuerzahler, die ihren Kopf hinhalten müssen, wenn keine ausreichende Altersvorsorge getroffen wird. Gasche weist außerdem auf die enormen Mitnahmeeffekte hin: "Leute die bereits eine zusätzliche Pflegversicherung haben oder sich auch ohne Förderung eine gekauft hätten, bekommen nun einen Teil vom Staat bezahlt." Für alle Steuerzahler handelt es sich also um eine äußerst kostspielige Variante bei der Ausweitung der Kapitaldeckung.
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