Fast der Hälfte der Deutschen droht Unterversorgung im Alter
Die von der Union Investment und dem Forschungszentrum für Generationenverträge der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg erstellten Studie erfasst erstmals den Stand der Altersversorgung der gesamten Bevölkerung.
Die Ergebnisse der Studie bestätigen das selbst zusammen mit der Riester Rente und Betriebsrenten es viele Deutsche nicht vermeiden können im Alter vom bisherigen Lebensstandard abzugeben, da bei der gesetzlichen Rente zu wenig herauskommt.
Besonders junge Menschen und Geringverdiener sind am stärksten von einer Unterversorgung betroffen. Von einer Unterversorgung spricht man, wenn die Einnahmen im Rentenalter nicht mindestens so hoch sind wie 60% des letzten Nettoeinkommens.
Nur ein Viertel aller Menschen die Altersrente vom Staat beziehen dürfen erreichen diesen Wert. Die meisten davon sind im Erwerbsleben Geringverdiener (unter 900 Euro/Monat). Heisst: Diese Personengruppe erreicht zwar 61% des letzten Nettogehaltes, zum Leben reicht die Rente trotzdem nicht.
Der Vorsorge Atlas der Union Investment
Dass es sehr deutliche Unterschiede bei der Absicherung über die gesetzliche Altersvorsorge gibt und es viele Menschen gibt, die mit einer minimalen Rente auskommen müssen, ist schon lange bekannt. Doch der von der Union Investment anhand von statistischen Erhebungen erstelle Vorsorgeatlas zeigt auch frappierende regionale Unterschiede auf.
Regionale Unterschiede bei der Altersversorgung sind Gross
 Rentenanspruch in Deutschland (Quelle: Union Investment)
Gesetzliche Rente:
Die Menschen in der Region München und zwischen Frankfurt und Stuttgart können sich glücklich schätzen, denn sie bekommen im Schnitt von der staatlichen Rentenkasse mehr als 1.038 Euro pro Monat ausgezahlt. In großen Teilen von Bayern, Baden- Württemberg und um die Region Dortmund herum ist ein ähnliches Versorgungsniveau zu verzeichnen. In der Westhälfte Deutschlands müssen die Menschen im Norden mit durchschnittlich 953 bis 1.002 Euro pro Monat auskommen.
Besonders prekär ist die Versorgungslage im Osten Deutschlands. In den Gegenden um Dresden, Magdeburg, Frankfurt/ Oder und an der Ostseeküste müssen von 820 bis 953 Euro monatlich ihren kompletten Lebensunterhalt bestreiten. Rentner, die in anderen östlichen Regionen von Deutschland leben, müssen sich sogar noch mit weniger Rente zufrieden geben. Am schlimmsten sind dabei die Rostocker dran, denn sie bekommen im Schnitt gerade einmal 807 Euro pro Monat von der staatlichen Altersvorsorge ausgezahlt.
Betriebsrenten:
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei der betrieblichen Altersvorsorge, wo wiederum der Süden Deutschlands mit Betriebsrenten von mehr als 921 Euro bevorzugt wird und der größte Teil der Bevölkerung in der Osthälfte der Bundesrepublik 678 Euro und weniger bekommt. Überhaupt haben nicht einmal zwanzig Prozent der Bevölkerung Anspruch auf eine betriebliche Altersversorgung.
Beamtenversorgung:
Auch bei der Beamtenpension zeigen sich solche Gefälle zwischen Süd und Nord sowie zwischen West und Ost, wobei allerdings hier anzumerken wäre, dass auch die Staatsdiener in den Regionen Hamburg, Lübeck und Nürnberg mit Altersbezügen unter 2.408 Euro pro Monat benachteiligt werden. Im Osten Deutschlands sind die niedrigsten Bezüge in Meckenburg- Vorpommern sowie Teilen von Sachsen, Thüringen und Sachsen- Anhalt zu verzeichnen.
Natürlich schlägt sich das Lohniveau, das ja letztendlich den Bezügen aus der staatlichen Rentenkasse zugrunde liegt, auch bei der Altersvorsorge aus der Riester Rente nieder. Hier ist besonders auffällig, dass die komplette Osthälfte Deutschlands aus diesen Verträgen weniger als 263 Euro pro Monat erwarten darf. Die einzigen Ausnahmen stellen die Regionen Torgau- Oschatz, Frankfurt an der Oder sowie die Magdeburger Region dar. Dort dürfen die meisten Versicherten mit monatlichen Beträgen zwischen 263 und 333 Euro rechnen. Besonders gut sind die Versicherten in weiten Teilen von Bayern und Baden- Württemberg gestellt, die mit monatlichen Zusatzeinnahmen aus der Riester Rente von mehr als 356 Euro rechnen können.
Allerdings trügt der Blick auf die reinen Euro-Beträge. Schaut man sich die Ersatzquoten an, so ist die Situation umgedreht.
Ersatzquoten im Osten höher als im Westen
 Ersatzquoten nach Bundesland : Wieviel vom letzten Gehalt durch die Rente ersetzt wird (Quelle: Union Investment)
Die Ersatzquote gibt an wieviel Prozent von seinem bisherigen Einkommen man an Rentenzahlungen bekommt. Eine Ersatzquote von 60% bedeutet, dass die Rente 60% des vor dem Ruhestand erzielten Einkommens ersetzt.
Quoten für Gesetzliche Rente:
Im Westen Deutschlands kommen Rentner im Schnitt auf eine Ersatzquote von ca. 41%. Im Osten hingegen liegt die durchschnittliche Quote bei 49%. Das bedeutet das in Ostdeutschland die Menschen mit Ihrer Rentenhöhe am nächsten an Ihrem aktuellen Einkommen liegen. Das hängt damit zusammen das im Westen die Verdienste etwas höher sind. Ein Rentner aus dem Westen braucht demnach eine weitaus höhere Rente um das letzte Einkommensniveau vor der Rente zu erreichen. Als Hauptgrund dafür wird aber auch der höhere Altersschnitt im Osten genannt. Dort leben nämlich weitaus mehr alte Menschen als junge Menschen.
Quoten für private Vorsorgemassnahmen:
Schaut man sich die Daten zur Privaten Altersvorsorge an (Riester Rente, Betriebliche Rente, Immobilien und sonstige Vermögenswerte) so ist das Bild wieder umgekehrt. Hier steht der Westen wieder etwas besser da als der Osten.
Die Ersatzquoten für die Riester Rente liegt im Westen bei ca. 27% im Osten bei 21%.
Ähnliche Verhältnisse gibt es bei Immobilienvermögen und Betrieblicher Rente.
Auch hier können Menschen aus dem Westen mit mehr Kapital rechnen als Ostdeutsche.
Frauen bekommen generell weniger Geld im Alter als Männer
Doch der Vorsorge Atlas der Union Investment geht sogar noch ein ganzes Stück weiter. Man kann nämlich bei der Auswertung, die hier vorstehend im Gesamtdurchschnitt wiedergegeben wurde, verschiedene Filter setzen. Dann fällt nämlich zum Beispiel auch auf, dass es bei der gesetzlichen Altersvorsorge große Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Die niedrigsten staatlichen Renten bekommen Frauen südöstlich von Regensburg sowie in der Mitte und im Nordwesten Deutschlands. Das ist derzeit noch darauf zurück zu führen, dass viele Frauen zum Zwecke der Kindererziehung und Haushaltsbetreuung die Arbeit über längere Strecken aufgegeben haben. Im Osten Deutschlands war das deutlich weniger der Fall, was sich in der Versorgungsstruktur deutlich zeigt. Bei den Männern zeigt sich bei der Versorgung mit Altersbezügen aus der gesetzlichen Rente ein ähnliches Bild, wie es bereits beim Gesamtdurchschnitt beschrieben wurde.
Weibliche Beamte erhalten in den Regionen Freiburg, Heilbronn, Nürnberg, Leipzig, Hamburg, Bremen und Hannover die niedrigsten Bezüge im Alter. Berlin, Frankfurt am Main, Dortmund und Rostock bezahlen ihre Beamtinnen dagegen am besten. Ihre männlichen Kollegen werden in Baden-Württemberg am besten bezahlt und erhalten deshalb auch die höchsten Pensionen. Die schlechteste Altersversorgung beim männlichen Beamten ist in der kompletten Osthälfte Deutschlands mit Ausnahme der Regionen Dresden und Berlin zu verzeichnen.
Interessant ist auch die Verteilung der Altersbezüge, wenn man sie nach den drei vorgegebenen Altersgruppen 20 bis 34, 35 bis 49 und 50 bis 65 filtern lässt. In der niedrigsten Altersgruppe ergibt sich bei den staatlichen Renten eine klar abgegrenzte Strukturierung, bei der das südlichste Drittel Deutschlands mit mehr als 1.028 Euro zu erwartender monatlicher Altersrente am besten wegkommt und der Osten Deutschlands komplett im niedrigeren Bereich angesiedelt ist, wobei sich ein leicht erhöhtes Niveau von Braunschweig bis hinüber nach Cottbus zeigt.
In der mittleren Altersgruppe werden die Dresdner etwas besser bedient und die Region zwischen Magdeburg und Braunschweig fällt dafür leicht ab. Bei den älteren Menschen zeigt sich ebenfalls ein Gefälle von West nach Ost. In der Westhälfte Deutschlands bekommt der Süden mehr als der Norden und in der Osthälfte ist es genau umgekehrt. Dort spielt hinein, dass im Norden viele Menschen in der Landwirtschaft tätig waren und sich an den Sonderversorgungssystemen beteiligt haben. Hinzu kommt, dass seit der Wende eine starke Landflucht auf der Suche nach neuen Arbeitsplätzen eingesetzt hat und einige Altersgruppen dort deutlich weniger vertreten sind.
Unterversorgung im Alter ist für viele Vorprogrammiert
Es fällt auf, dass gerade einmal ein reichliches Drittel der deutschen Bevölkerung aus der staatlichen und betrieblichen Altersvorsorge eine Einkommenshöhe erreichen können, die mindestens sechzig Prozent ihrer Nettobezüge aus dem Arbeitseinkommen umfassen. Dies e niedrige Ersatzquote Es bleibt also für die übergroße Mehrheit der Deutschen eine Versorgungslücke, die es durch private Verträge und Geldanlagen zu schließen gilt.
Am meisten trifft diese Versorgungslücke die jungen Menschen, die aber andererseits zum Beispiel mit der Riester Rente auch die Chance haben, sich mit kleinen monatlichen Beiträgen ein gutes zusätzliches Einkommen im Alter zu sichern. Auf Grund der bei ihnen möglichen langen Laufzeiten lohnt sich auch eine kleine private Rentenversicherung ohne Förderung oder ein fondsgebundener Banksparplan, den man später auch zur Schaffung von selbst zu nutzendem Wohneigentum als Ergänzung der Altersvorsorge einsetzen kann.
Insgesamt kann man bei der Auswertung der Studie zum Vorsorge Atlas nur zu dem Schluss kommen, dass jeder Einzelne gefragt ist, sich nicht nur auf die staatlichen und betrieblichen Systeme zur Altersvorsorge zu verlassen, sondern selbst aktiv zu werden. Nur so kann man sich auch im Alter seinen im Laufe des Lebens erarbeiteten Lebensstandard erhalten.
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