Altersvorsorge: Höheren Einkommen droht größere Versorgungslücke im Alter als niedrigen Viele erinnern sich nur allzu gut an das Jahr 1950, als es in Deutschland wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges eine richtige Altersarmut gab. Damals lag die Rente im Durchschnitt bei 60 € und damit auf Sozialhilfeniveau. Aber nicht nur diejenigen, die als Geringverdiener galten, rutschten ab. Auch die Reicheren waren auf Sozialleistungen angewiesen. Denn ihre Ersparnisse und Lebensversicherungen wurden von der Inflation gefressen und wer sein ganzes Geld in Immobilien gesteckt hatte, musste mit ansehen, wie diese wegen der Bomben nur noch Schutt und Asche waren. Andere mussten ihre Immobilien bei der Flucht aus dem Osten zurücklassen.
Problemlösung durch Einführung der dynamischen Rente Damals glaubte man, das Problem mit der Einführung der dynamischen Rente lösen zu können. Die Idee, die dahinter steckte, war, die Renten fest an die Lohnentwicklung zu koppeln. Geplant war, dass die Rente 60 % des letzten Bruttoeinkommens und entsprechend knapp 70 % des Nettoeinkommens beträgt. Dieser Betrag sollte reichen, damit man den gewohnten Lebensstandard auch im Alter halten kann. Seitdem das Umlageverfahren eingeführt wurde, zahlen aktive Arbeitnehmer die Rente ihrer älteren Generation über ihre Beiträge. Eingeführtes Rentensystem gilt als gescheitert Doch jetzt, ein knappes halbes Jahrhundert später, gilt das damals eingeführte Rentensystem als regelrecht gescheitert. Grund dafür ist, dass seit Anfang der siebziger Jahre jedes Jahr immer weniger Kinder geboren werden, als Menschen sterben. Rein politisch gesehen glaubte man, dadurch, dass man die Rente an die neuen Realitäten anpasste, dem entgegenwirken zu können. Allerdings bedeutet dies auch, dass sich der Rentenanspruch in den nächsten zwei Jahrzehnten immer mehr der Marke von 40 % des letzten durchschnittlichen Nettoeinkommens annähert. Aufrechterhaltung des gewohnten Lebensstandards im Alter nicht mehr gesichert Tatsache ist, dass man schon lange nicht mehr von einer Sicherung des gewohnten Lebensstandards im Alter sprechen kann. In besonderem Maße betroffen sind aber nicht Geringverdiener, sondern diejenigen, die sozial höher gestellt sind. Für beide gilt, dass man in großem Ausmaß die gesetzliche Rente mit privaten Ersparnissen ergänzen sollte. Dabei wurde in den letzten Jahren deutlich: Je höher der soziale Aufstieg im Berufsleben war, umso tiefer wird der Fall im Rentenalter. Versorgungslücke bei Mehrverdienern wird größer Jemand, der in seinem Beruf äußerst erfolgreich war und mehr verdient hat als ein anderer, muss damit rechnen, dass seine Versorgungslücke umso größer wird. Deswegen wird der Anteil privater Vorsorgemaßnahmen in Zukunft wachsen müssen. Allerdings steht es um die Sparbereitschaft vor allem bei jüngeren Arbeitnehmern nicht besonders gut, wie wissenschaftliche Untersuchungen herausgefunden haben. Viele sind der Auffassung, dass sie im Alter von Sozialhilfe leben müssen, da es bis dahin längst keine Rente mehr gibt. Betriebliche Altersvorsorge, Riester-Rente und Immobilien können vor Altersarmut schützen Laut einer aktuellen Umfrage der FOM Hochschule für Ökonomie & Management, die unter 30.000 Studenten durchgeführt wurde, gehen 93 % der angehenden Akademiker davon aus, dass die Rente im Alter nicht mal mehr ihre Grundversorgung decken wird. Um diese Lücke auszugleichen, setzen sie vor allem auf betriebliche Altersvorsorge, Riester-Rente, eine Immobilie oder einfaches Sparen. Drohende Versorgungslücke muss selbst geschlossen werden Doch längst nicht bei jedem ist die Botschaft angekommen, dass die drohende Versorgungslücke selbst geschlossen werden muss. Dabei hatte die Politik vor einigen Jahren die Riester-Rente eingeführt, bei welcher ein Teil des Bruttogehalts steuer- und sozialabgabenfrei in eine betriebliche Altersvorsorge eingezahlt wird. Eine im Auftrag des Versorgungswerks Metall-Rente erstellte Studie des Jugendforschers Klaus Hurrelmann zeigt, dass Jugendliche zwar zur Zusatzvorsorge bereit sind, doch zu wenig darüber wissen. Nur 12 % der Befragten gaben an, schon einmal von der Möglichkeit der Entgeltumwandlung gehört zu haben.
Wer vor sorgt, spart zu wenig Der Geschäftsführer von Metall-Rente zeigte sich außerdem dahingehend besorgt, dass diejenigen, die vorsorgen, viel zu wenig sparen. So zahlen fast zwei Fünftel der Älteren mehr als 1200 € im Jahr ein, während es bei den jungen Leuten nur 18 % sind. Außerdem lässt weniger als ein Zehntel die Einzahlungen mit dem Einkommen wachsen. Die hieraus resultierenden Rentenansprüche sind viel zu gering, um die drohende Rentenlücke schließen zu können. Bessere Informationspolitik gefordert Um dem entgegenzuwirken, fordert Hurrelmann schlichtweg eine bessere Informationspolitik, damit junge Arbeitnehmer dazu ermuntert werden, stärker privat vorzusorgen. Hurrelmann sagte "Wir brauchen endlich ein Schulfach Wirtschaft, um sie möglichst früh mit dem komplizierten System der Finanzanlage vertraut zu machen." Heribert Karch hingegen, der Geschäftsführer von Metall-Rente, geht noch einen Schritt weiter und fordert von der Politik, die Regeln bei der Förderung der betrieblichen Altersvorsorge in ein weniger kompliziertes System zu verwandeln. Regelung in USA gilt als gutes Beispiel Vor allem im Hinblick auf die USA könnte dieser Ratschlag äußerst nützlich sein. Vor zwei Jahren wurde es dort zu Regel, dass Unternehmen ihren Beschäftigten eine Versorgungszusage machen müssen, sofern sie oder die zur Beitragszahlung verpflichteten Arbeitnehmer sich nicht dagegen entscheiden. Nach Einführung dieser Regelung ist der Anteil der Beschäftigter mit Betriebsrentenanspruch von 37 auf mehr als 80 % gestiegen. Daran sollte sich die deutsche Politik laut Meinung vieler ein Beispiel nehmen.
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